Geschichte

Vikar Hayn

Es war nur eine handvoll junger Männer, die im Jahre 1924 einen Spielmannszug gründeten. Diese Männer waren ebenfalls Mitglieder des Jungmännervereins, welcher bereits im Jahre 1879 gegründet worden war.

Das Vereinsleben der katholischen Jugend war, unter der geistlichen Führung des beliebten Vikar Hayn, in voller Blüte.

Nachdem innerhalb des Jungmännervereins schon einige Abteilungen wie Theatergruppen und Gesangsabteilung gegründet worden war, sah man nun, insbesondere für festliche Veranstaltungen größeren Rahmens mit Straßenumzügen, einen Platz für einen Spielmannszug.

An fachlicher Qualifikation für die zunächst einmal erforderliche Ausbildung der Flötisten und Trommler fehlte es nicht, denn für diese Aufgabe konnte man damals Peter Salzburger, Franz Kreutzmann und Bernhard Stirnberg, welcher später für seine Bemühungen um die musizierende Jugend zum Ehrenmitglied des Jungmännervereins ernannt wurde, gewinnen. Ihre besondere musikalische Befähigung hatten sie sich als Aktive im militärischen Musikzügen erworben.

Gründliche und umfassende Kenntnisse sowohl im Musikalischen wie auch beim Exerzieren mussten vermittelt werden. Dabei konnten die Spielleute der ersten Stunde aber auch erfahren, dass unter der Voraussetzung ehrlicher Kameradschaft und opferfreudiger das gesteckte Ziel in erreichbare Nähe gerückt werden kann.

Nach etwa einjähriger Übungs- und Ausbildungsarbeit – in der Zwischenzeit hatte reichliche Fluktuation stattgefunden, viele hatten das Ausbildungsziel nicht erreicht – konnten die neuen Spielleute endlich der Bevölkerung von Hüsten ihr Können vorführen. Die Begeisterung in der damaligen Freiheit Hüsten war groß, sicherlich war sie bei den Spielleuten noch größer.

Anstelle der heute üblichen Uniformen, die man sich damals wegen der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse nicht erlauben konnte, trug man statt dessen zum Sonntagsanzug eine blaue Schirmmütze, die mit einem bunten Band geschmückt wurde. Nach einiger Zeit besaß jeder Spielmann sogenannte Schwalbennester, die allerdings bei jedem Auftritt erneut auf die Anzugjacke genäht werden musste.

Als erster Tambourmajor führte Willy Schulte (Lindenhof) den Spielmannszug, dessen Leitung dann in die Hände von Theo Reinhold überging.

Nachdem man im Jahre 1925 zum ersten Mal aufgetreten war, scheuten sich die Spielleute nach intensiver Weiterbildung und ständigem Training nicht, sich bereits im Jahre 1928 im Wettstreit mit anderen Vereinen zu messen. Auf dem Wettstreit in Westönnen konnte auch gleich der vierte Preis errungen werden. Inzwischen war die schneidige Musik des Spielmannszuges bereits auf vielen Festen anderer Vereine zu hören.

Den ersten Höhepunkt erlebten die Spielleute im Jahre 1929 beim 50jährigen Jubelfest des Jungmännervereins, bei dem sie erstmals Uniformen trugen und noch vor dem Musikkorps des Infanterie-Regiments 18 Münster unter der Leitung von Obermusikmeister Cellarius, den Festzug anführen durften.

Dann begannen die Schwierigkeiten des Dritten Reiches.

Die politischen Verhältnisse änderten sich. Schwer hatten es dann vor allem die christlichen Vereine und damit auch der Spielmannszug, als die Machthaber des „Dritten Reiches“ ihnen immer neue Schwierigkeiten in den Weg legten. Man versuchte jedoch, den eingeschlagenen Weg möglichst unbeirrt weiterzugehen. Einige Zeit lang war der Verbleib in einem katholischen Jungmännerverein noch möglich, 1936 jedoch erfolgte die Auflösung des Jungmännervereins auf Druck des Regimes. Man versteckte aber die kostbaren Instrumente, in den alle Spargroschen der jungen Männer steckten.

Darauf hin schloss sich der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr an, um einem möglichen Verbot vorzubeugen. Man hatte bereits seit langem bei festlichen Veranstaltungen der Feuerwehr gespielt und darüber hinaus gehörten einige Spielleute auch der Feuerwehr an. Aber das war nicht im Sinne derer, die das Sagen hatten. Die verlangten unter erheblichem Druck den Anschluss an die damaligen pseudomilitärischen oder politischen Vereinigungen.

Unter diesen Voraussetzungen sahen die Spielleute jedoch keine Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Man stellte das Musizieren ein. Die folgenden Jahre der Terrorherrschaft mit dem unbeschreiblichen 2. Weltkrieg brauchen an dieser Stelle nicht besonders erwähnt zu werden. In dieser Zeit und den ersten Jahren nach diesen fürchterlichen Geschehnissen dachte niemand mehr an den Spielmannszug.

Auch in der Zeit danach, als die Besatzungsmächte das Sagen hatten, blieb vorerst jede Vereinstätigkeit untersagt. Für den Schutz der Bevölkerung und aufgrund ihrer eigentlichen Aufgabe – der Brandbekämpfung – wurde die Freiwillige Feuerwehr einige Jahre nach dem Krieg wieder bis auf Sollstärke aufgestellt. So versuchte man im Jahre 1948 auch, den Spielmannszug innerhalb der Feuerwehr wiederzubeleben. Und man hatte Erfolg.

 

Gebrüder Reinhold

Eine gewisse Stammmannschaft, zu der auch die Gebrüder Reinhold gehörten, war bereit, die Ausbildung wieder zu übernehmen. Im Jahre 1950 erfolgte auf dem Kreisfeuerwehrfest in Müschede der erste Auftritt nach dem Krieg.

Mittlerweile regten sich auch die anderen Vereine wieder. So wurde unser Spielmannszug dann auch für das Schützenfest der Schützenbruderschaft unter dem Schutze des Heiligen Geistes Hüsten wieder verpflichtet.

Des Weiteren ist der Spielmannszug seit 1950 (ohne Unterbrechung!!) bis zum heutigen Tage als Festmusik bei den Schützenfesten der Schützenbruderschaft St. Michael in Hachen zu finden, wo sich mittlerweile viele Freundschaften gebildet haben.

Und dann geschah im Jahre 1953 das Unfassbare:

Der Spielmannszug wurde von der Feuerwehr, der er ja angehörte, aus unbegreiflichen Gründen aufgelöst! Das es trotzdem gelang, den Spielmannszug zu erhalten und sogar auf eigene Beine zu stellen, ist einigen gut befreundeten Hüstener Geschäftsleuten zu verdanken. Diese stellten nicht unerhebliche Spenden zur Verfügung mittels derer Uniformen gekauft und Instrumente beschafft werden konnten.

Dann gab es noch das nicht einfach zu lösende Problem der Namensfindung, nachdem man nunmehr an keinen anderen Verein mehr gebunden war.

So einigte man sich im Jahre 1957 schließlich auf den Namen „In Treue fest“. Dieser Name erschien tiefgründig und hatte gleichzeitig den Vorteil, dass er dem Spielmannszug eine Vereinshymne lieferte, da dieser Name von C. Teike als Titel für einen seiner schönsten Märsche verwendet wurde. Zur Schande des Spielmannszuges muss allerdings gesagt werden, dass dieser Marsch bis zum heutigen Tage nicht in das Programm aufgenommen wurde.

Nachdem man nun selbständig geworden war, musste auch eine eigene Vereinspolitik betrieben werden. So wurde zunächst der damalige Tambourmajor Theo Reinhold zum ersten Vorsitzenden berufen. Dieser führte den Vorsitz bis 1957, bevor Peter Reinhold von 1957 bis 1959, Norbert Reinhold von 1959 bis 1961 und Heiko Welschoff von 1962 bis 1990 die Leitung der Vereinsgeschäfte übernahm. Dass dieses Doppelamt Vorsitzender/Tambourmajor – was eine nicht unerhebliche Mehrarbeit bedeutete – von den genannten Spielleuten über einen solchen Zeitraum ausgeübt wurde, sollte an dieser Stelle einfach einmal erwähnt werden. Nach dem Heiko Welschoff 1990 die Vereinsführung an Uli Franke abgegeben hatte – welcher dieses Amt bis zum heutigen Tage noch bekleidet – blieb er dem Verein als Tambourmajor noch bis zu seinem schweren Arbeitsunfall im Jahre 1992 erhalten. 1992 übernahm dann Franz-Josef Erlmann den Tambourstab und ist bis heute in dieser Position aktiv.

Man konnte aber auch feststellen, dass nach der Neugründung im Jahre 1954 eine Belebung und ein deutlicher Aufschwung, insbesondere in musikalischen Bereichen, im Spielmannszug zu bemerken war.

Man erhielt immer öfter Einladungen zu Freundschaftstreffen und Wettstreiten anderer Spielmannszüge und Musikkapellen, so dass man auch in der näheren und weiteren Umgebung bekannt wurde. So wurde der Spielmannszug zu Schützenfesten diverser Schützenbruderschaften verpflichtet und auch ansonsten bestimmten eine Vielzahl von Sommerfesten und Jubiläumsveranstaltungen das Wochenendprogramm der Spielleute.

Nachfolgend ein Auszug der Auftritte aus dem Jahre 1958, welcher die große Beliebtheit belegt, dessen sich der Spielmannszug erfreute:

23.06.1958: 300 jährige Erneuerung der Schützenbruderschaft Hüsten
(mit historischem Festzug)

04.05.1958: Freundschaftstreffen Niederense (aufgrund der besten Uniformen an die Spitze gesetzt)

24.08.1958: 600-Jahrfeier der Stadt Neheim-Hüsten, Zapfenstreich aus Anlass des offiziellen Besuchs des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke

Im Jahre 1964 wurde schließlich das 40 jährige Jubiläum des Spielmannszuges begangen.

An zwei Tagen wurde mit 23 auswärtigen Spielmanns- und Fanfarenzügen in der Hüstener Schützenhalle gefeiert. Auch die Bevölkerung nahm regen Anteil an dem großen zweigeteilten Festzug. Der Erfolg entschädigte die Spielleute für den Einsatz, der notwendig war, eine solche Veranstaltung in Eigenleistung auf die Beine zu stellen.

Im Gegensatz dazu wurde das 50 jährige Bestehen zehn Jahre später nur im vereinsinternen Rahmen gefeiert, da man von technischen und finanziellen Schwierigkeiten dazu gezwungen wurde.

Die vorgenannten Veranstaltungen sind nur ein kleiner Auszug aus dem Programm des Spielmannszuges, welches seit 1957 lückenlos aufgezeichnet wird und dient lediglich dazu, sich einen Überblick zu verschaffen und soll keine besondere Wertung beinhalten.

 

Heiko Welschoff